SPD-Bundestagsabgeordnete referiert vor Mitgliedern der Gesundheitsregion EUREGIO zur Zukunft der ärztlichen Versorgung und Daseinsvorsorge in der Region

 

Bei der Vorstandssitzung der Gesundheitsregion EUREGIO warf die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder einen politischen Blick auf die regionale Strukturentwicklung. Im Fokus standen dabei die Themen Ärztemangel, Strukturwandel, Infrastrukturausbau und Daseinsvorsorge.

De Ridder, die in der Grafschaft Bentheim auch Kreistagsabgeordnete ist,  verdeutlichte, dass sich die medizinische und pflegerische Versorgung in der Region deutlich verschlechtert hat – ein Trend, der sich ohne politische Gegensteuerung noch fortsetzen dürfte, machte die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin deutlich.

„Insgesamt leben wir in der Grafschaft Bentheim, im Emsland und in den Nachbarkreisen in einer prosperierenden Region, worauf wir stolz sein können! Schließlich liegt etwa die Arbeitslosenquote noch unter dem eh schon niedrigen Bundesdurchschnitt. Dennoch müssen wir ganz akut  und sehr entschlossen die entsprechenden Weichen für eine Stärkung der medizinischen Versorgung in ländlichen Räumen stellen und die Daseinsvorsorge für unsere Bevölkerung sicherstellen. Die Politik, von der Bundes-, über die Landes- bis hin zur kommunalpolitischen Ebene, muss alle Maßnahmen ergreifen und Instrumente nutzen, um den demografische Wandel zwischen Digitalisierung und Globalisierung zu gestalten. Dabei können wir auch von unseren Nachbarländern Frankreich und den Niederlanden, aber erst recht anhand von guten Beispielen aus skandinavischen Ländern vieles lernen“, erklärt Dr. Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems.

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Dr. Daniela De Ridder bei der erweiterten Vorstandssitzung der EUREGIO (Foto: Florian Hartke)

In ihrem Vortrag zeigte De Ridder auf, dass mit dem Renteneintritt der heute 45-55-Jährigen, der sogenannten Baby-Boomer-Generation also, Probleme auf unsere Versorgungssysteme zukommen werden. Dieser Altersgruppe steht eine deutlich geringere jüngere Altersgruppe gegenüber; jedoch ließe sich gerade auch in unserer Region eine leicht erhöhter Geburtenrate verzeichnen. In zahlreichen Gesprächen, so Dr. Daniela De Ridder, sei ihr zudem wiederholt das Thema des Fachkräftemangels begegnet. Dies gelte nicht nur für zahlreiche qualifizierte Position in Unternehmen, sondern gerade auch in der Pflege und medizinischen Versorgung; besonders gelte dies auch für die hausärztlichen Praxen aber ebenso für die fachärztliche Versorgung etwa durch Kinderärztinnen und Pädiater. „Gerade wenn, wie es die Teilnehmenden dieser Gesprächsrunde zurecht als Risiko erkannt haben, eine noch deutlichere Unterversorgung droht, besteht dringender Handlungsbedarf. Wir sind also auch hier auf Qualifizierung und Zuwanderung angewiesen, wie sie heute schon für die Krankenhäuser üblich ist. Die Quote der ausreichenden Ärzteversorgung in der Region liege schon heute unter dem 100 Prozent-Niveau und zahlreiche freiberuflich tätige Ärztinnen und Mediziner seien bereits heute schon deutlich über 60 Jahre alt.

„Wer die Gesundheitsversorgung sicherstellen will, muss schon heute mit multiprofessionellen Netzwerken aus Pflege, Medizin, Akutversorgung und Sozialarbeit am Gemeinwesen orientiert arbeiten. So mancher Arztbesuch kann vermutlich vermieden werden, wenn doch bloß erkannt wird, dass es auch um soziale Kontakte geht, gerade bei älteren oder isoliert lebenden Menschen. Hier müssen wir eher auf Modelle wie die der Mehrgenerationshäuser setzen, die eine gemeinschaftsstärkende Aufgabe haben und alle Generationen einbinden. Telemedizin und Digitalisierung als Medizin 4.0 wiederum können Zusatzangebote sein, ersetzen aber nicht den intensiven Arzt-Patienten-Kontakt.  Erst einmal benötigen wir in unserer Region dafür die passenden digitalen Infrastrukturen, aber immer auch gibt es dabei kulturelle Grenzen“, so die SPD-Bundestagsabgeordnete. „Mit dem Ruhestand vieler niedergelassener Ärzte und dem Fehlen des Ärztenachwuchses auf dem Land müssen wir dringend eine effektive Anreizstruktur schaffen, damit wir die Versorgungslücken schließen – dies kann zum Beispiel durch eine substanzielle Reform des Medizinstudiums und einer Verringerung der Hürden zur Niederlassung auf dem Land gelingen. Darüber hinaus müssen wir vor allem auch die pflegerische Infrastruktur ausbauen und den Pflegeberuf besser entlohnen, damit ein würdevolles Leben im Alter in unserer Region erhalten bleiben und gestärkt werden kann“, bekräftigt De Ridder.

In der Diskussion wurde daher die aktuelle Gesetzesinitiative des  Gesundheitsministers Jens Spahn kritisiert: So solle er unbedingt berücksichtigen, dass sein Gesetz zum „E-Health“, bei dem digitale Kommunikation und telematische Anwendungen im Gesundheitswesen bis zum Jahresende zur Pflicht werden, diejenige Ärzteschaft zur digitalen Nachhilfe zwingt, die längst das Rentenalter überschritten hat. Dass er dort keine Gegenliebe erfahren wird, sondern sie zur Aufgabe ihrer Hausarztpraxen zwingt, sei also erwartbar, vergrößere daher aber das Versorgungsproblem in  der Region noch mehr. De Ridder verwies darauf, dass im Koalitionsvertrag bedeutende ressortübergreifende Projekte für eine bessere Infrastruktur und Daseinsvorsorge in den Regionen definiert sind. Neben Reformen für die ärztliche und pflegerische Versorgung ist dies der Ausbau der Kindertagesbetreuung, die Entlastung der Kommunen durch Abschaffung des Kooperationsverbotes (dem im Grundgesetz verankerten Verbot für die Bundespolitik, finanziell in Schulen investieren zu dürfen) und der Ausbau der logistischen Infrastruktur sowie die Digitalisierung und Vernetzung der unterschiedlichen Lebensbereiche. Den Teilnehmerinnen und Zuhörern wiederum empfahl De Ridder, sich direkt an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu wenden.

 

 


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